Declaracio mappae

Beschreibungen einer Gitternetzkarte in Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts

Die abgebildete Karte ist in einer Handschrift der British Library (Ms. Add. 27376) überliefert. Die Abbildung kann auf einer Website der British Library abgerufen werden (https://www.bl.uk/collection-items/liber-secretorum-fidelium-crucis-by-marino-sanudo)

Das Projekt

Ziel des Projektes ist die Erstellung einer digitalen Edition der Beschreibung einer Gitternetzkarte (declaracio mappae) des Heiligen Landes, die in dem Pilgertext des Johannes Poloner und in weiteren Handschriften des 15. Jahrhundert überliefert ist. Die declaracio mappae zeichnet sich aus durch die Beschreibung eines Gitternetzes, in dem die einzelnen heiligen Orte lokalisiert werden. Neu ist, dass diese Beschreibung nicht in reiner Textform ediert wird, sondern mittels der Darstellung auf einer Karte visualisiert wird. Durch die Verknüpfung der Orte auf der Karte mit dem Pilgertext, soll sich zeigen, ob ein solches digitales Editionsverfahren auch in Zukunft für Itinerare, Pilgerführer und kürzere Pilgertexte anwendbar ist.

Überlieferte und nicht überlieferte Gitternetzkarten

Aus dem 14. Jahrhundert, im Zusammenhang mit der Kreuzzugsschrift Liber secretorum fidelium crucis des Venezianers Marino Sanudo, sind mehrere Palästinakarten mit diesem Gitternetz überliefert, die wahrscheinlich aus der Hand von Pietro Vesconte stammen. Diese Karten sind eine Innovation, da sie ein neuartiges Liniennetz im Kartenbild aufweisen, das in keinen früheren oder zeitgenössischen europäischen Karten zu finden ist.[1] Ein Raster von 28 Quadraten von Ost nach West und 83 von Nord nach Süd wird über Palästina gelegt. Im Text des Liber secretorum findet sich eine Beschreibung der Karte mit Verweisen auf einzelne Quadranten.

Abhängig vom Text des Liber secretorum ist die Beschreibung einer solchen Gitternetzkarte in der Descriptio terrae sanctae des Johannes Poloner aus dem 15. Jahrhundert. In der Schrift des Johannes Poloner ist die Karte selbst jedoch nicht überliefert, es wird nur auf eine Karte verwiesen. Eine Rekonstruktion der Karte, die den überlieferten Gitternetzkarten stark ähnelt, ist im Anhang der Edition von Titus Tobler abgedruckt und wird als Grundlage für die digitale Edition verwendet (Johannes Poloner, Descriptio Terrae Sanctae, hrsg. Titus Tobler, in: ders. (Hrsg), Descriptiones Terrae Sanctae ex saeculo VIII. IX. XII et XV, Leipzig 1874, 225-281).

Die declaracio der Karte ist unabhängig vom Text des Johannes Poloner in drei Handschriften überliefert: Vaticano, BAV, Vat. lat. 3841, fol. 3r-4v, München, BSB, rar. 801, 126r-129v (geschrieben von Hartmann Schedel), Nürnberg, StB, Cent. III, 93, fol. 171r-172r. Daneben ist eine ähnliche Beschreibung in München, BSB, Clm 18736, fol. 201r-204v zu finden, die einem sonst unbekannten Magister Mauritius Parisiensis zugewiesen wird.


[1] P.D.A. Harvey, Medieval maps of the holy land, London 2012, 116. Für weitere Literaturhinweise siehe die Bibliographie.

Von der Projektidee zur Umsetzung

Ausgangspunkt für das Projekt ist die Idee, mit neuen und innovativen Möglichkeiten zu experimentieren, lateinische Pilgertexte zu edieren. Der Fall declaracio mappae ist besonders geeignet für ein solches Experiment, da der Text nicht nach der üblichen Beschreibung eines Weges gegliedert ist, sondern sich auf Quadranten einer Gitternetzkarte bezieht.

In einer ersten Überlegung wollte ich die oben abgebildete und im Zusammenhang mit Marino Sanudos Liber überlieferte Gitternetz-Karte als Basis für die Edition verwenden. Die beschriebenen Quadranten wollte ich hervorheben. Per Mausklick oder durch Darüberfahren sollte der mit dem Quadranten verbundene Text per Mausklick angezeigt werden. Doch eine Verwendung der überlieferten Karten würde einen Zusammenhang suggerieren, der nicht der Überlieferungssituation entspricht, da die Texte, die ich edieren will, nicht mit einer Karte überliefert sind. Daher verwende ich zunächst die rekonstruierte Karte von Titus Tobler als Basis.

Kern der Website ist die digitale Edition der Declaracio Mappae. Die rekonstruierte Karte soll zoombar sein und per Mausklick soll der Text dargestellt werden.

Mit Hilfe der ITG der LMU München begann ich meine Idee zu verwirklichen. Ich verwende die Mapping-Plattform mapTiler für die zoombare Karte und Leaflet, eine Open-Source-JavaScript-Bibliothek, mit der Web-Mapping-Anwendungen und interaktive Ebenen wie Markierungen mit Popups erstellt werden, wenn man darauf klickt. Um die richtigen Daten per Mausklick wieder zu erhalten, verwende ich drei MySQL-Datenbanken: eine mit dem Text, eine mit den Koordinaten der Quadranten und einer, die den richtigen Text mit dem rechten Quadranten verbindet.